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Quelle:Ramona Dünisch
Quelle:Ramona Dünisch

Deutschland

Sport und Freizeitreiten

155 bis 165 cm

Braune in allen Schattierungen, sehr selten Füchse oder Schimmel; sehr wenig weiße Abzeichen.

Ursprung

Aus dem geschichtlichen Überblick ist ersichtlich, daß die Benennung Sárvárer / Leutstettener als Herkunftsbezeichnung zu verstehen ist.

Züchterisch handelt es sich um ein edles Halbblut der Rasse Furioso-North Star, wobei die historischen, bis heute eigenständige Stutenfamilien bestehen und ein leichtes, vom Englischen Vollblut beeinflußtes Pferd gezüchtet wird.

Bemerkenswerterweise konnte aufgrund der soliden Stutenbasis der sehr markante alte Sárvárer Typ erhalten bleiben, obwohl z.T. hohe Vollblutanteile in den Abstammungen gefunden werden können.

Das Leutstettener Pferd verkörpert ein blutgeprägtes, edles "Kavalleriepferd"- ausdauernd, elegant und von angenehmem Temperament.


Zuchtgebiet(e)

Allgemeines zur Pferderasse

Exterieur

Interieur

Das Leutstettener Pferd verkörpert ein blutgeprägtes, edles "Kavalleriepferd"- ausdauernd, elegant und von angenehmem Temperament.

So bietet diese Rasse auch dem modernen Sport- und Freizeitreiter hervorragende Reitpferdeeigenschaften, wie raumgreifende bequeme Gänge, gutes Exterieur und einen sensiblen, zuverlässigen und menschenbezogenen Charakter.


Zuchtgeschichte

1803 kaufte Seine Kaiserliche Hoheit Erzherzog Ferdinand von Modena-Este die Herrschaft Sárvár in Westungarn. Das Kurstädtchen Sárvár liegt an der Hauptverbindung zwischen dem Grenzübergang Sopron und dem Plattensee, etwa auf halber Strecke. Hier ordnete man Anfang des 19. Jahrhunderts die bestehende ländliche Pferdezucht zu einem straff organisierten Gestütsbetrieb.

Seit 1816 werden die Gestütsbücher genauestens geführt, woraus unter anderem hervorgeht, daß damals schon zahlreiche Pferde in den erzherzoglichen Marstall nach Wien geliefert wurden - ein Zeichen für die sehr hohe Qualität der Pferde.

Entstehung des Stutenstammes:

Um diesem hohen Anspruch gerecht zu werden, war man bestrebt das beste Mutterstutenmaterial aus den europäischen Zuchten anzukaufen. So importierte man Stuten aus Mecklenburg und England, sowie aus Mezöhegyes, ungarischen Privatgestüten und später aus Trakehnen. Jedoch genügten der  scharfen Selektion auf Dauer nur Nachkommen dreier Mutterstuten: eine 1826 aus Matjushaza gebrachte Stute, HELENA eine englische Stute (wahrscheinlich eine Vollblutstute, deren Pedigree sich aber nicht ganz klären ließ und deshalb als Halbblut geführt wurde) und BOGAR die aus Mähren stammte.

Seit 1830 war das Gestüt in Bezug auf Mutterstuten vollkommen selbständig, was bedeutet, daß noch heute jedes Sárvárer / Leutstettener Pferd sich lückenlos auf HELENA bzw. BOGAR  zurückführen läßt. Die dritte Stutenlinie ist ausgestorben.

Entstehung der Hengstlinien:

In der ersten Hälfte des 19. Jh. hatten in Sárvár Hengste der Noniusrasse (eine auf den Normannen NONIUS SENIOR zurückgehende Rasse) den größten Einfluß. Danach wurden sehr kräftige Araber-Halbbluthengste (v.a. Shagya und  Angloaraber) verwendet. Die in Mezöhegyes aus den beiden Vollblütern FURIOSO und NORTH STAR entwickelte Rasse hatte anschließend die prägendste Bedeutung, neben Vollbluthengsten bester europäischer Abstammung. So zählt man heutzutage das Sárvárer/Leutstettener Pferd zur Rasse der  Furioso-North Star wobei sowohl in Sárvár als auch in Leutstetten immer auf einen höheren Vollblutanteil  Wert gelegt wurde als in der ungarischen Landeszucht.

1875 ging das Gut Sárvár durch Erbschaft in den Besitz Ihrer Königlichen Hoheit Frau Prinzessin Ludwig von Bayern, geb. Erzherzogin von Österreich-Este über. Seitdem befinden sich die Sárvárer Pferde in bayrischem Besitz.

1887 wurde der wohl einflußreichste Gestütsdirektor Sárvárs, Major Otto Byschl mit der Leitung des Betriebes betraut. Er sollte bis Ende des II. Weltkrieges mit kundiger Hand und hervorragendem Fachwissen das Gestüt betreuen. Vor allem lehrte er den heranwachsenden Prinz Ludwig von Bayern vieles aus der Pferdezucht und dem Gestütswesen der damaligen Zeit.

Flucht in den Westen

Bei Einmarsch der Russen im Frühjahr 1945 mußte das Gestüt in Sicherheit gebracht werden und trat eine beschwerliche Flucht an. Die Mutterstutenherde konnte rechtzeitig per Bahn in den Westen geschickt werden um auf dem Wittelsbacher Besitz Leutstetten bei Starnberg eine neue Bleibe zu finden. Ein Treck bestehend aus sechzehn Gespannen, beladen mit einiger Habe und dem Personal des Gutes folgte auf die Reise in den Westen, um drei Wochen später Leutstetten zu erreichen. Unter Prinz Ludwigs Führung gelang die Flucht fast ohne Verluste und man konnte sogar zwei jüdische Flüchtlinge in Sicherheit bringen.

Das Gut Leutstetten bei Starnberg im Süden Münchens war als Wittelsbacher Besitz immer schon landwirtschaftlicher Betrieb mit Pferdezucht. Die zugehörigen Betriebe Schwaige und Gut Rieden gehörten als Milchviehhaltungen zu den fortschrittlichsten ihrer Zeit, da König Ludwig III ("Da Millibauer") die Bedeutung vorbildlicher Betriebe erkannt hatte und sich vor allem gerne von seinen Regierungsgeschäften in Leutstetten erholte. Die Stallungen in Leutstetten beherbergten eine Vollblutzucht. Während des Dritten Reichs hatte sich der Nationalsozialist und Gründer der SS in München, Christian Weber in Leutstetten niedergelassen. Daher mußten die Sárvárer Gestütspferde zunächst in Scheunen untergebracht werden, bis man die Stallungen zurückerwerben konnte.

Bald jedoch kehrte die Routine wieder ein und trotz anfänglich schwerer Jahre fanden die Sárvárer Pferde in Leutstetten ihre neue Heimat.

1980 gingen auf Anfrage des ungarischen Staates fünfzig Pferde, Mutterstuten und zwei Hengste, in das Gestüt Pusztabereny bei Balatonfenyves am Plattensee.

Diese Pferde nahmen durch ihre reine Blutführung und typtreue Vererbung großen Einfluß auf die ungarische Furioso Zucht.

So stammen heute dreizehn der ca. sechzig gekörten ungarischen Furioso- North Star Hengste aus Leutstettener Linien.

2006  fand eine einschneidende Veränderung in Leutstetten statt: Das Gestüt in seiner bisherigen Form mußte aufgelöst werden. Übers Jahr wurden alle Pferde, entweder verkauft, oder gingen an interessierte Züchter um die Rasse weiterzuerhalten.

Nun ist es zum ersten mal in der Geschichte der Leutstettener Pferde vom Engagement einzelner Privatpersonen abhängig diese Zucht in ihrer bestehenden Qualität fortzuführen.

Da idealistische Besitzer für die wertvollen Zuchtstuten gefunden werden konnten, besteht die Hoffnung, daß diese Rasse, den traditionellen Zuchtprinzipien folgend, erhalten bleiben kann.

3. Aspekte des Rasseerhalts

Der Aspekt die Rasse in ihrer ursprünglichen Form möglichst rein zu erhalten gewinnt heutzutage zunehmend an Bedeutung. Vor allem seit dem Fall des „Eisernen Vorhangs“ spielten wirtschaftliche Gesichtspunkte auch in der Pferdezucht des ehemaligen Ostblocks eine zunehmende Rolle. Leider zu ungunsten der einheimischen alten Rassen, da man sich von modernen Warmblutlinien erhoffte, kommerziell Anschluß an die Westeuropäische Sportpferdezucht zu finden. Übrigens betrifft dies nicht nur die Pferde - auch alle anderen landwirtschaftlichen Nutztierarten sind zunehmend von genetischer Verarmung bedroht.

Als Folge davon wurden viele reine Zuchtstämme, nicht nur in der Furioso – North Star Rasse mit Fremdblut verkreuzt. Diese Entwicklung kann man zum Beispiel auch bei den Rassen Gidran und Nonius beobachten.    

Leider war das Ergebnis oft nicht so positiv wie erhofft und man beginnt sich heute auf die alten Blutlinien zurückzubesinnen.

Um die grenzüberschreitende Arbeit zu koordinieren und Kontakte zu möglichst vielen Züchtern aus allen Zuchtgebieten zu knüpfen und aufrechterhalten zu können wurde am 27.Oktober 2001 in Bugac der Internationale Furioso North Star Zuchtverband gegründet. Das Präsidium setzt sich aus jeweils einem Vertreter (und seinem Stellvertreter) eines jeden Landes zusammen und trifft sich vierteljährlich. Momentan sind fünf Länder Mitglied: Ungarn, Österreich, die Slowakei, Rumänien und Deutschland ( Bayern).

Der Aufgabenbereich des internationalen Verbands ist vornehmlich die Ausarbeitung und Durchführung eines Zuchtprogramms zur Erhaltung der Rasse auf länderübergreifender Ebene. Dies soll durch die Erstellung eines internationalen Zuchtbuchs, ein sinnvolles Selektionssystem, die Erhaltung der Blutlinien ( z.B. durch Konservierung von Sperma, Austausch und Vermittlung von Zuchtpferden) ermöglicht werden.

Auf Länderebene werden die Züchter nach wie vor durch die örtlichen Zuchtverbände betreut. In Bayern ist dies der Verband der Züchter der Kleinpferde und Spezialrassen.

Zusätzlich werden die Leutstettener durch die GEH (Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen) betreut. Die GEH ist in erster Linie beratend tätig und führt die sogenannte „Rote Liste“, die die bedrohten Rassen aller Tierarten nach ihrem Gefährdungsgrad einteilt. Die vierteljährlich erscheinende Zeitschrift ARCHE NOVA dient als Informations- und Mitteilungsplattform.

 

 

Quelle(n)

Gestüt Leutstetten Frau Julia Enz (Rassesprecherin) www.leutstettener.de

Foto-Galerie

Quelle:Ramona Dünisch

Leutstettener Pferd